Das Mahnmal Vojna bei Pøíbram
Museum der Opfer des Kommunismus

Mitten im Wald, 5 km südöstlich von Pøíbram, an den Gemarkungsgrenzen der Gemeinden Lazsko, Le¹etice und des Pøíbramer Ortsteils Zavr¾ice, an einem für seine Eisen-, Silber- und Uranerzvorkommen bekannten Ort, bauten deutsche Kriegsgefangene zunächst in den Jahren 1947 bis 1949 ein Arbeitslager auf, das nach dem nahe gelegenen Berg Vojna ( 666 m ü. d. M.) benannt wurde, an dessen Fuß das Lager liegt. Im Gebiet Jáchymov und Horní Slavkov gab es im Zusammenhang mit der Förderung des bereits erwähnten strategischen Uranerzes auch ähnliche Lager.

In Folge des kommunistischen Umsturzes im Februar 1948 und der nachfolgenden gesellschaftlich-rechtlichen Entwicklung entschied sich die damalige Staatsführung, zur Sicherstellung der Uranerzförderung und -verarbeitung die Arbeitskräfte aus den Reihen der so genannten "Zöglinge" des Zwangsarbeitslagers zu nutzen, die seit Mitte des Jahres 1949 das ehemalige Kriegsgefangenenlager füllten. Es ging um Leute, die aus politischen Gründen, rechtswidrig und ohne Gerichtsverfahren interniert worden waren. Schrittweise entstand hier das größte Zwangsarbeitslager für die Uranförderung in der Tschechoslowakei.

Durch die Reorganisation wurde das Zwangsarbeitslager Vojna 1951 in ein Besserungsstraflager Vojna (damals NPT-U genannt) umgewandelt, das eine Strafvollzugseinrichtung war. In Vojna wurden vor allem die "gefährlichsten, vor allem staatsgefährdende Verbrecher." inhaftiert, nämlich Demokraten, die oft in konstruierten Gerichtsverfahren zu zehn und mehr Jahren Haft verurteilt worden waren, zumeist wegen Hochverrats, versuchten Hochverrats, Beihilfe zum Hochverrat, Spionage, versuchter Republikflucht und staatsgefährdenden Widerstands gegen die Staatsgewalt (vor allem aufgrund des Gesetzes Nr. 231/1948 Sb. über den Schutz der demokratischen Volksrepublik und des Gesetzes Nr. 86/1950 Sb.). Gemeinsam mit ihnen verbüßten hier auch Kriminelle, Wirtschaftskriminelle und so genannte Schwarzhändler ihre Strafen.

Den Aufzeichnungen des Zentralarchivs der Strafvollzugseinrichtung der Tschechischen Republik in Prag kann entnommen werden, daß zum 1. September 1952 719 Häftlinge, zum 1. März 1953 bereits 964 und zum 1. Juli 1956 bei Übergabe dieses Lagers aus der Zuständigkeit der Strafvollzugseinrichtung in Ostrov nad Ohøí in die Kompetenz der Bezirksverwaltung des Innenministeriums in Prag sogar 1517 Häftlinge in Vojna einsaßen. Auf Grund des Abkommens vom 21. Oktober 1949 und der nachfolgenden Vereinbarung vom 28. Juli 1950 zwischen dem Justizministerium, der Kommandobehörde für Gefangenenbewachung und dem Nationalbetrieb Tschechoslowakische Bergwerke über den Arbeitseinsatz der Häftlinge beteiligten sich diese an der Arbeit in den Pøíbramer Uranbergwerken und am Bau des Neubaugebietes der Stadt Pøíbram.

Im Zusammenhang mit der Reduzierung der Häftlingszahlen nach der Amnestie 1960 und unter Berücksichtigung anderer betrieblicher Gründe wurde das Lager NPT-U Vojna zum 1. Juni 1961 aufgelöst. Ein Teil der verbliebenen Häftlinge wurde in das nicht weit entfernte NPT Bytíz überführt (damals NPT-Z genannt). Diese Strafvollzugseinrichtung besteht bis heute, bietet aber natürlich andere Bedingungen. Das Gelände von Vojna wurde in den Jahren 1961 bis 2000 von der Armee genutzt.

Als besonders bittere Ironie des Schicksals ist die Tatsache zu betrachten, daß hier als politische Gefangene des kommunistischen Regimes mehrere Helden des antifaschistischen Widerstands einsaßen und zusammen mit ihnen auch diejenigen, die kurz zuvor ihre Gegner waren: Wehrmachtsangehörige, Parteileute des Naziregimes, Kollaborateure und Verräter, die in mehreren Fällen von der Lagerleitung als Kapos bei den Gefangenen eingesetzt wurden. Als Häftlinge mussten oft völlig unschuldige, wegen ihrer demokratischen Gesinnung verurteilte Menschen lange Jahre leiden.

Im Hinblick darauf, daß es sich um die letzte Lokalität handelt, wo einige authentische Gefängnisobjekte aus den Zeiten der kommunistischen Drangsal erhalten geblieben waren, entschied die Regierung der Tschechischen Republik mit dem Beschluss Nr. 609 vom 16. Juni 1999, das Mahnmal als Gedenkstätte des Leids der Bürger zur Zeit der kommunistischen Willkür hier aufzubauen und diese Entscheidung wurde mit dem Beschluss Nr. 264 vom 15.3. 2000 bestätigt.

Das Projekt wurde von dem Kulturministerium der Tschechischen Republik, dem Mittelböhmischen Bezirk, dem Kreisamt Pøíbram, der Vereinigung der politischen Häftlinge in der Tschechischen Republik sowie den Städten Pøíbram und Neratovice finanziert. Auch einige politische Gefangene leisteten ihren Beitrag. Die Realisierung der Teilrekonstruktion des ehemaligen Lagers Vojna in der Region Pøíbram wurde mit der Ausarbeitung von thematischen Ausstellungen verbunden.

Das Mahnmal wurde zu einer Außenstelle des Bergbaumuseums Pøíbram und an dessen Gestaltung beteiligten sich auch das Museum des Dritten Widerstands in Pøíbram und die Vereinigung der politischen Häftlinge in der Tschechischen Republik. Von den 16 historisch wichtigsten Bauten, die hier erhalten blieben, können die Besucher beispielsweise das Gebäude der Lagerkommandantur, die Korrektion, den Bunker, das Kulturhaus, eine Häftlingsbaracke, die ehemalige Krankenstube und andere Objekte besichtigen, die zwischen den ehemaligen Uranschächten Vojna Nr. I und II. stehen.

Im Januar 2001 wurde das Gelände zum Kulturdenkmal erklärt und am 18. Mai 2005 anlässlich des Internationalen Museumstages feierlich eröffnet. Am 6. Oktober 2005 besuchte der Präsident der Tschechischen Republik Prof. Václav Klaus das Mahnmal Vojna. Am 28. 03. 2006 wurde auf dem Gelände des Mahnmals Vojna die Bildergalerie der modernen Malerei "Orbis Pictus: Europa" eröffnet.


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