
Der Anna-Schacht in Pøíbram-Bøezové Hory zählt aus historischer, technischer sowie architektonischer Sicht zu den bedeutendsten Bergbaudenkmälern in Tschechien. Er wurde 1789 als zweitältester Schacht nach dem Adalbert-Schacht in der neuzeitlichen Geschichte des Silbererzreviers Bøezové Hory abgeteuft. Dies geschah auf Initiative des Berg- und Hüttenmeisters Jan Antonín Alis, einem Vorkämpfer des Tiefbaus im Pøíbramer Revier. Alis wählte für sein Vorhaben eine Lokalität, die schon seit dem Mittelalter für ihren Bergbau bekannt war.
Der Anna-Schacht wurde im Laufe der Geschichte zum Zentrum der Silber- und Bleiförderung in Bøezové Hory. 1896 wurde die 1 000-m-Grenze beim Abteufen des Schachtes überschritten. Von 1914 bis 1957 war er der tiefste Schacht im Revier und zählte Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zu den tiefsten Schächten Europas. 1941 wurde im Anna-Schacht die maximale Tiefe von 1 464,3 m erreicht; die 39. und letzte Sohle lag bei 1 449,3 m. Bis zu den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts handelte es sich um den tiefsten Schacht in der Tschechoslowakei. Im Zusammenhang mit dem Ende der Förderung in der Lagerstätte Bøezové Hory 1978 wurden zwei Jahre später die Stilllegungsarbeiten im Anna-Schacht abgeschlossen.

Über dem Schacht ragt das Hauptschachtgebäude empor, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Stil der Industriearchitektur errichtet wurde. Es befindet sich an der Stelle des ursprünglichen Objekts vom Ende des 18. Jahrhunderts. Es ist inklusive des Holztürmchens 20,11 m hoch. Der Grundriss dieses zweistöckigen Baus, dessen Fassade durch eine Kombination von Ziegelelementen aus Formteilen und Bruchsteinmauerwerk gestaltet wurde, nimmt eine Fläche von 10,13 x 11,45 m ein. An das Hauptschachtgebäude, das ein typisches Beispiel der Industriearchitektur ist, schliesst sich die einstöckige ehemalige Bergmannskaue an. Nicht weit entfernt befinden sich das Maschinenhaus mit der Dampffördermaschine Breitfeld-Danìk aus dem Jahr 1914 und auch das Lager für Material und technische Versorgung, davor auch das Huthaus des Anna-Schachtes. Das Huthaus und das Maschinenhaus sind der Öffentlichkeit als Teil des Bergbaumuseums Pøíbram - Bøezové Hory zugänglich und bieten neben der maschinellen Ausstattung auch Ausstellungen zum Bergbau. Vom Huthaus aus ist auch die Untertagebesichtigung möglich, die mit einer Fahrt mit der Grubenbahn im historischen Prokop-Stollen verbunden ist sowie mit einer Exkursion durch den Anna-Wasserstollen in Richtung Adalbert-Schacht und in weitere Abbauräume der Gruben von Bøezové Hory.
