MUSEUM SPEICHER PROSTREDNI LHOTA
  - Alt Moldau

Zur Geschichte der alten Moldau im Gebiet von Chotilsko

Öffnungszeiten
Mai: Sa–So 9.00–16.00 Uhr
Juni–September: Die–So 9.00–17.00 Uhr
Oktober: Sa–So 9.00–16.00 Uhr

Kontakt
Chotilsko 14
262 03 Nový Knín
tel. 734 837 333
www.ic-chotilsko.cz

Die Moldau war von Beginn an ein Hauptsiedlungsgebiet unserer Vorfahren. Schon vor unserer Zeit war die Verbindung durch das Moldautal eine der ältesten Verkehrsverbindungen. Die Moldau bildet in dieser Region zwei Formen: einmal Mäander tief in den Felsen eingeschnitten mit Felsen und Stromschnellen zum Anderen im Flachland mit Mäandern. Auf strategisch bedeutenden Bergspornen befanden sich befestigte Siedlungen. Boote wurden zuerst vor allem zum Holztransport genutzt, ab dem 12. Jh. auch zum Transport von Granit und ab dem 16. Jh. auch von Salz. Natürlich wurden auch noch andere Waren und Personen transportiert. Es erfolgten Arbeiten zur Schiffbarmachung der Moldau vor allem an seichten Stellen, im Bereich der Stromschnellen und beim Vorkommen von Felsen im Flussbett. Die ökonomische Hauptbedeutung hatte die Waldnutzung (Holzeinschlag), die Steinbrüche und der Bergbau auf Gold. Im Bereich der Mittelmoldau befindet sich Chotilsko südlich von Zvírotice und nördlich von der ehemaligen Siedlung „Heiliger Johannes am Strom“ bei Štěchovice.

Gehen wir gegen den Lauf der Zeit und des Flusses. Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Moldau auch „großer Fluss“ genannt. Unsere Wanderung durch Mittelböhmen beginnt in der Umgebung von Chotilsko. 10 km südwestlich von Chotilsko befand sich stromauf die heute nicht mehr existierende Siedlung Záběhlice. Eine Seilfähre verband Záběhlice mit Zvírotice. 1951 vor der Realisierung des Slapy – Stausees gab es hier ungefähr 50 Gebäude. Davon blieben zu Zeiten des Stausees 1954 nur 7 am hohen Hang gelegene Gebäude. Bei Zvírotice lag am rechten Ufer die Siedlung Rybárna bei dieser befindet dich das größte frühbronzezeitliche Gräberfeld in Böhmen aus dem 12. – 11. Jh. v. u. Z. Die erste schriftliche Erwähnung von Zvírotice datiert von 1322. Vom 14. Jh. bis zur Zeit der Hussitenkriege befand sich hier eine Feste. Die neue Geschichte berichtet über Gasthäuser, Mühlen und Sägewerke. Seit den 80er Jahren des 19. Jh. befanden sich hier auch Werften vor allem zum Bau von Kähnen zum Transport der Steine aus den Steinbrüchen nach Prag. Der ökonomische Hauptfaktor in der dieser Zeit waren die Steinbrüche (Moldaugranit), es arbeiteten in der Mitte des 20. Jh. 300 Personen in den Steinbrüchen. 1850 – 1881 wurde mit diesem Granit das Nationaltheater in Prag erbaut, weiterhin wurden Denkmale und Standbilder geschaffen, Brücken, Straßen und Fußwege in Prag mit Granit gepflastert. Das am linken Ufer befindliche Županovice wurde 1954 zur Hälfte durch den Stausee liquidiert, 125 Einwohner wurden umgesiedelt. An archäologischen Befunden sind vorhanden: Saurier- und Pferdeknochen aus 15000 – 10000 Jahren v. u. Z. Županovice wurde urkundlich erstmalig 1235 erwähnt. Es war Eigentum von Anežka (diese wurde 1989 heiliggesprochen), der Tochter des böhmischen Königs Přemysl Otakar I. Anežka schenkte das Dorf dem Spital der Kreuzherren mit dem roten Stern. Vorherrschend waren hier: Steinbrüche, Goldförderung, Schifffahrt und Flößerei. Hier bei Županovice erbaute 1729 Jan Ferdinand Schor die erste Schleusenkammer in Böhmen. 5 km unweiter der Schleuse zwischen den Felsen befanden sich Untiefen und Inseln, davon hat eine den sinnigen Namen „Schweine“.

Weiter am linken Ufer finden wir Bukevnice (Bukovnice). Ab dem 14. Jh. war hier eine befestigte Siedlung für den Verwalter des Goldbergbaus. In der Umgebung befanden sich eine Golderzmühle mit Wasserradantrieb, eine Mühle und eine Sägemühle. Eine weitere Siedlung ist Cholín mit einem Flussübergang (Furt und Seilfähre) zwischen Sedlčany, Nový Knín und Mníšek pod Brdy. Dazu gehört auch die prähistorische Siedlung Malé Kolo aus der Steinzeit 3000 – 2800/2700 Jahre v. u. Z., der Bronzezeit 1600 – 1400 Jahre v. u. Z. Im Mittelalter (13. -14. Jh.) befand sich hier eine Feste.

Am rechten Ufer lag im 18. Jh. eine Fabrik für hölzernen Stifte zur Befestigung von Schuhabsätzen.
Der Hof am linken Ufer gehörte vom Mittelalter an zur Karlštejner – Herrschaft. Hier fand man ein Gasthaus, eine Mühle, eine Sägemühle, eine Schifferkneipe und eine Fähre. Mühle und Sägemühle wurden nach 1860 zu einer Baumwollspinnerei, die 1892 abbrannte, mit 60 Mitarbeitern umgebaut. Dort erbaute 1900 Alfred Roth eine Fabrik für Lederhandschuhe mit 100 Mitarbeitern, die bis in die 30er Jahre des 20. Jh. bestand. Das Gasthaus und die Fähre befanden sich bis zum Brückenbau im Besitz der Familie Weidenthaler.

Unterhalb des Berges Drbákov, mit 490 m ü. NN die höchste Erhebung der Moldauregion, lag die Siedlung Oboz. Die erste schriftliche Erwähnung stammt von 1497. Vor 1954 standen hier 16 Gebäude. Das bekannteste Gebäude war das Salzhaus (16.-19. Jh.) für die Region Sedlčany und Dobříš, ab dem 19. Jh. als Speicher genutzt und später zum Wohnhaus für die Mitarbeiter der Lederfabrik umgebaut.
Nach Oboz folgt am linken Ufer Trenčín mit einer Fähre. Der Berg Drbákov wurde ab 1933 ein Naturreservat für die Drbákov Eibe mit weiteren seltenen Blumen und Tieren. 1977 wurde dieses Gebiet ein Schutzgebiet mit einem Naturlehrpfad.

Weiter geht es am linken Ufer nach Smilovice an der Einmündung des Čelina – Baches mit einer Ersterwähnung von 1045. Fürst Břetislav schenkte den Ort dem Kloster Břevnov. Im Mittelalter befand sich hier eine Feste, später Eigentum der Kreuzherren mit dem roten Stern bis zur Hussitenzeit in der das Dorf zerstört wurde, nur die Feste blieb erhalten. Nach archäologischen Befunden an Pingen und Schächten stammt der Bergbau aus dem 13. – 16. Jh. Die Hauptepoche lag im 13. – 15. Jh. 1653 erfolgte eine Neubesiedlung. Hier kam es zur Goldförderung mit einer Golderzmühle. Im 20. Jh. erfolgten 1980 – 1990 Untersuchungen durch die Firma Geoindustria Prag die in der Lagerstätte ein Vorkommen von 90 t Gold nachwiesen. Das ist das größte Goldlager in Europa und bedeutet einen Vorrat in Höhe der Gesamtförderung in Böhmen seit Beginn des Bergbaus auf Gold bis zum Jahr 2000. Auf Grund der notwendigen chemischen Aufbereitung und der damit zu erwartenden Gewässer und Umweltschäden wurde auf eine Gewinnung verzichtet. Es entstand eine geschützte Lagerstätte.

Am rechten Ufer liegt Častoboř mit einer Ersterwähnung von 1251. Zu Beginn ein Hof, heute ein Erholungsareal.
Es folgt die geheimnisvolle Sejce – Insel. Ein Lieblingsplatz für Tramper, Scouts und Sportler.
Nördlich der Insel gegenüber der Einmündung des Mastník – Baches liegt unweit Hrazany. Eine Besiedlung aus der Altsteinzeit 400000 – 10000 Jahre v. u. Z. , dem Mesolithikum 8000 – 6000 Jahre v. u. Z., dem Eneolithikum 4200 – 2300 Jahre v. u. Z., der Bronzezeit 11. – 9. Jh. v. u. Z., der Eisenzeit 6. – 5. Jh. v. u. Z., der Kelten 40 – 0 Jahre v. u. Z. ist archäologisch nachgewiesen. Im Mittelalter (14. Jh.) befand sich hier eine Feste. 1419 kam es hier zu einer Schlacht zwischen den Hussiten und der katholischen Armee. Das keltische Oppidum (2. – 1. Jh. v. u. Z.) ist das zweitälteste Oppidum von mindestens 40 ha Größe mit Befestigungen und Toren. Funde von Eisenerzeugnissen, Erzeugnissen aus anderen Metallen und Keramik aus der 1. Hälfte des 1. Jh. sind nachgewiesen.

Am linken Flussufer befand sich der Ort Kobylníky, heute im Stausee versunken. Der Name stammt wahrscheinlich von den Felsen im Flussbett. Kobylníky liegt gegenüber von Hrazany. 1271 befand sich hier ein Hof der böhmischen Königin Kunhuta (Ehefrau König Přemysl Otakar II.). Diese schenkte den Ort den Kreuzherren mit dem roten Stern. Vom 13. – 16. Jh. florierte hier der Goldbergbau, erst Goldwaschen und dann im Tiefbau.
Einen Kilometer von Kobylníky entfernt lag die Siedlung Nouze mit einer Fähre. Am rechten Ufer lag Ústí an der Einmündung des Mastník – Baches. Hier sind 1497 eine Mühle und ein Salzhaus belegt.

Im Flussbogen lag die Burg Ostromeč datiert aus dem 14. Jh. Während der Hussitenkriege saßen hier die Hussiten. Der Schreiber Jan von Prag schuf hier die illuminierte Bibel Padařovská. Mitte des 16. Jh. war die Burg bereits eine Ruine. Die Umgebung bietet schöne Aussichten ins Moldautal. Unweit von Ostromeč steht seit 1939 ein steinernes Kreuz, aufgestellt am 28. September 1939, aus Anlass des Feiertages des Heiligen Wenzel. Finanziert wurde das Kreuz von Bürgern darunter Method Zavoral vom Strahov – Kloster, der in Neveklov geboren wurde. Diese Feier war auch eine antinazistische Demonstration unter deutscher Besatzung. 1948 wurde das Kreuz von Vandalen in den Stausee gestürzt. 1989 wurde es geborgen und wieder aufgestellt.

2 km weiter befand sich Živohošt‘ als wichtigster Ort der Region. Die Ersterwähnung datiert von 1057. Hier befand sich ein Fürstenhof der Přemysliden. 1140 (schriftlich erwähnt 1141) weilte hier Wladislaw II. Der Blickpunkt ist die Kirche, die dem Heiligen Fabian und dem Heiligen Sebastian geweiht ist. Die Kirche stammt von 1271 und wurde von Königin Kunhuta den Kreuzherren vom roten Stern geschenkt. Es sind verschiedene Stilarten – romanisch, gotisch und barock – vertreten. Der spätere Universitätsprofessor, Mitarbeiter und Freund von T. G. Masaryk - František Drtina besuchte hier die Grundschule. Der ehemalige Ort liegt heut 40 m unter dem Wasserspiegel des Stausees, nur Kirche und Pfarrhaus blieben erhalten.

Auf der rechten Flussseite stand das Gasthaus Rákosník von dem noch ein Balken mit der Datierung von 1617 existiert. Hier weilten u. a. der Komponist Josef Suk und der Schriftsteller Alois Jirásek. Zwischen den Weltkriegen erlangten Tourismus, Camping und Tramping eine immer größere Bedeutung. 1926 wurde ein Aussichtsturm auf dem Hügel Besedná auf Veranlassung von František Drtina errichtet. 1936 entstand hier das erste moderne Hotel. 1967 wurde der mittlerweile verwahrloste und verfallene Aussichtsturm abgerissen. Bei Vorhandensein von Mitteln ist eine Neuerrichtung geplant.
Weiter geht es zur Siedlung Moráň. Die Ersterwähnung datiert von 1390. Besitzer war das Benediktinerkloster Ostrov bei Davle. 1517 wechselte der Besitz an das Kloster Hlg. Jan pod Skalou (bei Beroun). Im 16. Jh. gab es hier ein Gasthaus, eine Mühle, eine Brauerei und beim Gasthaus eine Nepomuk – Statue von 1784.

Am linken Ufer lag seit 1914 die Ausflugsgaststätte, später das Hotel Záhoří. Auf dem Hochufer befindet sich der „Mittelpunkt des Königreiches Böhmen“. Zuerst erinnerten daran 3 hölzerne Kreuze, die 1878 durch steinerne ersetzt wurden. Eine Empire – Kapelle von 1841 bildet den Rovínek - Eingang in den Heiligen-Jan-Strom, dem schönsten aber auch gefährlichsten (Stromschnellen) Gebiet am Lauf der Moldau. Die Leute glaubten, diese Naturgegebenheiten hätte der Teufel geschaffen.
Bereits im 16. Jh. bemühte man sich, die Moldau für die Schifffahrt auszubauen. Der Abt Kryšpín Fuk, zur Zeit des österreichischen Kaisers und böhmischen Königs Ferdinand III., war maßgeblich daran beteiligt. Nach Beendigung der Arbeiten 1643 errichtete man eine Gedenksäule mit dem k.u.k. – Wappen. 1722 folgte unweit davon eine Nepomuk – Statue. Beim Bau des Stausees wurden Säule und Statue transloziert und unterhalb der Staumauer aufgestellt.

Der Tourismus nahm mit den Fahrten der Prager Dampfschifffahrtsgesellschaft von Prag nach Štěchovice einen großen Aufschwung. 1889 entstand hier die erste touristische Trasse in Böhmen. Maßgebend war Professor Josef Hrabák von der Příbramer Bergakademie.
1949 – 1955 erfolgte der Bau der Staumauer für den Slapy – Stausee, Staubeginn war 1954. Die Angaben zum Stausee: Höhe der Staumauer 65 – 70 m, Länge der Staumauer 260 m, Länge des Stausees 44 km, Fläche des Stausees 1.392 ha. Im Wasserkraftwerk arbeiten 3 Kaplan – Turbinen. Die gesamte Anlage stammt von Libor Záruba.
In jedem erwähnten noch bestehenden Ort befindet sich ein Denkmal an die Gefallenen des ersten Weltkrieges, dabei wird auch der tschechischen Legionäre die in Frankreich, Italien und Russland kämpften, gedacht. František Drtina, T. G. Masaryk und Edvard Beneš sind Vertreter der antiösterreichischen Bewegung.

Von den Bunkern der Beneš – Linie blieben 3 Stück erhalten, da sie durch nahe liegende Wohnhäuser durch die Nazis nicht gesprengt werden konnten und nur mit Beton verfüllt wurden. Zwei Bunker sind vollkommen im Stausee versunken, den Dritten sieht man bei Niedrigwasser.
Näheres erfährt man in den musealen Einrichtungen Chotilsko, Prostřední Lhota und Nový Knín.
Herzlich willkommen im mittleren Moldautal!