FREILICHTMUSEUM VYSOKY CHLUMEC
  - Museumsgeschichte

Das Museum der dörflichen Bauten des mittleren Moldautales

Im Freilichtmuseum werden wertvolle Denkmale der dörflichen Architektur bewahrt, die die Entwicklung der Bauten auf dem Land von Mitte des 18. Jh. bis zu Beginn des 20. Jh. im Gebiet des mittelböhmischen Hügellandes und im mittleren Moldautal zeigen. Das Freilichtmuseum liegt in einem Tal mit einem Bach und hierher werden schrittweise Wohn-, Wirtschafts- und Techniggebäude sowie kleine sakrale Objekte transloziert,die an ihrem ursprünglichen Standort dem Verfall preis gegeben wären. Die Ausstellung von Mobiliar und Gerötschaften zeigt Wohnen und Wirtschaft auf dem Land.

Das Gebiet des mittleren Moldautales ist in Mittelböhmen einzigartig mit seiner großen Zahl erhaltener dörflicher Bauten aus dem 18. bis zum Beginn des 20. Jh. Ausnahmen können auch älter sein, z. B. die steinernen Bauelemente  aus dem späten Mittelalter an einem steinernen Tor aus dem 17. Jh.  Diese Region bietet interessante Typen von Bauernhäusern aus dem Flussgebiet der Berounka und des mittelböhmischen Hügellandes mit vielen charakteristischen Zügen, an denen es möglich ist den Einfluss der umliegenden Region auf den Baustil nach zuweisen. Es haben sich Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude erhalten. In den Museumssammlungen der Region sind Ausstattungsgegenstände des bäuerlichen Haushalts, volkstümliche Kleidung, landwirtschaftliche und handwerkliche Geräte usw. erhalten geblieben, die das Aussehen der bäuerlichen Wirtschaften belegen.

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Das Aussehen änderte sich mit der Änderung der landwirtschaftlichen Produktionsverfahren und dem Anspruch auf moderne Wohnverhältnisse. Unter diesen Verhältnissen gewinnen auch eigentumsrechtliche Gründe an Bedeutung und es verliert sich der Wert der Bauten und es fehlt eine sinnvolle Nutzung. Ohne eine minimale Unterhaltung verfallen diese Gebäude dann schnell. Leider verstärkt sich dieser Trend gegenwärtig. Deshalb entstand eine Initiative von Ethnologen und Mitarbeitern der Denkmalpflege mit der Absicht die Denkmale der bäuerlichen Bauten im Bereich des mittleren Moldautales zu schützen, die sich am Ort nicht erhalten lassen. Die Translozierung dieser Objekte in das Freilichtmuseum rettet einen beträchtlichen Teil der einzigartigen Bauten und dokumentiert die Geschichte dieser Region.

Die Realisierung dieses Gedankens übernahm 1998 das damalige Bezirksmuseum Příbram, heute Bergbaumuseum Příbram mit der Schaffung eines zeitweiligen Freilichtmuseums. Es wurde eine Auswertung der Untersuchungen der bedrohten Objekte in der Region durchgeführt und ein geeigneter Standort für die Realisierung eines Freilichtmuseums gesucht. Als geeignet erwies sich ein Standort am Schloss Vysoký Chlumec bei Sedlčany. Es waren verschiedene  Schritte zur Realisierung notwendig: Kauf der Liegenschaft, Vorbereitung des Projektes und seine Genehmigung. 1999 konnte das Museum der dörflichen Bauten als Außenstelle des Bergbaumuseums  Příbram eröffnet werden.

 
Arnoštovice Nr. 3

Vysoký Chlumec liegt 35 km östlich von Příbram und 8 km südwestlich von Sedlčany im malerischen Gebiet des mittleren Moldautales. 1998 kaufte das Bergbaumuseum  Příbram das Gelände von 3 ha von der Familie Lobkowicz. Danach konnte der Aufbau des Museums beginnen. In diese Museumsanlage wurden ausgewählte Typen der bedrohten dörflichen Bauten transloziert, die nicht an ihrem ursprünglichen Standort erhalten werden konnten. Das Sammelgebiet bildete vor allem der ehemalige Bezirk Příbram, hauptsächlich die Umgebung von Sedlčany.

Dům čp. 3 z Arnoštovic, kamenný milník a dva roubené špýchary z Počepic

In das Freilichtareal mit einem Bachtal wurden behutsam Wohnhäuser, Hütten, Wirtschaftsgebäude und technische Gebäude mit Wasserkraftnutzung und kleine sakrale Objekte, vorwiegend aus dem 18. bis Beginn des 20. Jh.,  eingefügt. Im Endzustand des Ausbaus des Museums werden sich hier 20 bis 25 umgesetzte Objekte befinden.

Als Erstes wurde 2000 das Haus Nr. 4 aus Obděnice transloziert. Fraglos außergewöhnlich war die Umsetzung des Gewölbes der schwarzen Küche mit einem Teil des Schornsteins. Dieser Block hatte immerhin ein Gewicht von 30 t. 2002 konnten Besucher das mittlerweile mit einer Inneneinrichtung (2001) versehene Haus besichtigen.


Obděnice Nr. 4

Den Besuchern wird eine schwarze Küche mit Geräten und Gefäßen für die Zubereitung von Speisen im offenen Feuer gezeigt. Auch eine Räucherkammer ist vorhanden. Das Gebäude war nicht unterkellert.

Die Einrichtung zeigt das bäuerliche Leben im Gebiet des mittleren Moldautals Ende 19./Beginn 20. Jh., vor allem bemalte Bauernmöbel aus der ethnografischen Sammlung des Bergbaumuseums. Zu Ende des 19. Jh. befand sich im Hauptraum, der zum Dorfplatz ausgerichtet war, ein Dorfladen. Hier befinden sich jetzt in der Saison Sonderausstellungen.


Obděnice Nr. 4

2001 wurden zwei gezimmerte Speicher vom Haus Nr. 2 aus Počepice transloziert. 2002 wurden ein Meilenstein, ein Grenzstein und der Sockel eines gusseisernen Kreuzes nach hier umgesetzt.

Dům čp. 3 z Arnoštovic a roubený špýchar z Počepic
 
Arnoštovice Nr. 3, Počepice

2001 wurde der Bestand um eine Sägemühle mit einem Horizontal-Sägegatter aus dem Gebiet Dolní Sloupnice aus der Mitte des 19. Jh. erweitert. Das Horizontal-Sägegatter ermöglicht das Sägen von dicken Stämmen.  2002 wurden die technischen Einrichtungen montiert und ein eichenes, oberschlächtiges Wasserrad (Durchmesser 320 cm, Breite 90 cm) gebaut. Hier befindet sich eine Ausstellung zur Geschichte, Funktion und zum Typ der Sägewerke mit Wasserkraft in Mittelböhmen. Z. Zt. ist dieses Sägewerk mit Wasserkraftantrieb das Einzige in den tschechischen Freilichtmuseen.

Pila na vodní pohon z Dolní Sloupnice - vantroky
 
Pila na vodní pohon z Dolní Sloupnice - technické zařízení
 
 
Dolní Sloupnice

2003 wurde das Holzhaus Nr. 3 aus Arnoštovice,  ein gezimmerter Speicher aus Ratiboř und ein steinerner Sockel (1880) für ein weiteres gusseisernes Kreuz sowie ein hölzerner Taubenturm (aus Pojezdec) umgesetzt.


Arnoštovice Nr. 3

Im Areal des Museum blieb ein Fischbehälter erhalten, dazu wurde eine hölzerne Zuleitung 2004 aus einem Teichdamm aus Kladruby transferiert. In Zukunft könnte es zusammen mit weiteren geeigneten Objekten hier ein Fischessen geben sowie Erkenntnisse zur Fischereiwirtschaft und zur Fischzucht vermittelt werden.


Mašov Nr. 10

2004 bis 2005 wurde Holzhaus Nr. 10 aus Mašov zerlegt und umgesetzt, es kann auf 1738 datiert werden. Die schwarze Küche wurde im Block von 32 t transloziert.

Roubený dům čp. 10 z Mašova
 
Dům čp. 10 z Mašova a špýchar usedlosti čp. 3 z Arnoštovic spolu s holubníkem
Mašov Nr. 10

2005 kam ein hölzerner Wagenschuppen aus Arnoštovice und ein Steinsockel aus Petrovice hinzu, der mit einem gusseisernen Kreuz vom Friedhof von Obděnice komplettiert wurde, hinzu.

2006 erfolgte die Inneneinrichtung des Speichers aus Ratiboř und in einem Teil des Hauses aus Mašov. Im Hof wurde eine hölzerne Kolbenpumpe aufgestellt.

Das Zehnte umgesetzte Gebäude war Ende 2007 der Speicher aus Olbramovice. Es folgte ein Bienenhaus aus Semtínek und zwei Ausstellungen im Haus aus Mašov „Die Wohnverhältnisse der Bauern im 18. bis 19. Jh.“.


Olbramovice-Městečko Nr. 1

2007 wurde im Rahmen eines Förderprogramms der EU die Umsetzung von weiteren 4 Gebäuden möglich. Das waren ein großer Teil der Mühle aus Radešice, eine Scheune aus Mašov, ein Wohnhaus aus Jíví und ein Heuboden (Heuschoppen / Heuschuppen / Heu-hütte) von Buková (Záběhlá).

Vodní mlýn z Radešic čp. 8

Der Aufbau der Gebäude endete im Juni 2010. Die Scheune aus Mašov stammt von 1670 (ältestes Objekt des Museums) und bildet den neuen Eingang des Museums mit Kasse, Souvenirverkauf und Toiletten. Die Mühle aus Radešice datiert von 1722. Hier befindet sich eine Ausstellung zu den Wohnverhältnissen der Müller. Eine besondere Attraktion bildet aber die funktionstüchtige Mühlentechnik, einschließlich des Wasserrades.

Seit 2012 befindet sich im Haus aus Jíví eine Ausstellung zu den Gebäuden des Freilichtmuseums, die sowohl die archivalische Forschung wie auch die Forschung im Gelände verdeutlicht.

Das vierte Gebäude, der geräumige Heuboden von 1830, stammt aus einem Gebiet mit umfangreicher Wiesenbewirtschaftung mitten im Brdy-Wald in der Rožmitáler Herrschaft, die sich im Besitz der Prager Erzbischöfe befand. Er enthält ein offenes Depot für verschieden Landmaschinen und Geräte.

Ende 2011 wurde eine achteckige Scheune von 1662 aus Podolí, eine der ältesten bei uns erhaltenen, transloziert.

 
 Achteckige Scheune aus Podolí Nr. 8

Die Hauptsammeltätigkeit des Museums zielt auf eine Sammlung von Werkzeugen und Geräten, einschließlich der Inneneinrichtung der Häuser. Eine Bewertung dieser Gegenstände wiederspiegelt auch die soziale Schichtung auf den Dörfern im mittleren Moldaugebiet vom Ende des 18. Jh. bis in die 30er Jahre des 20. Jh.

2011 befanden sich im Sammlungsbestand  des Freilichtmuseums über 600 Gegenstände. Zur Ausstellungsgestaltung wurden auch die ethnographischen Sammlungsbestände des Bergbaumuseums und des Stadtmuseums Sedlčany, mit dem das Bergbaumuseum eng zusammen arbeitet, genutzt.


Dolní Sloupnice

Gegenwärtig sind 15 Gebäude zu besichtigen, 5 davon mit Inneneinrichtung. Im Haus aus Obděnice sind in der Saison Sonderausstellungen zu sehen, außerdem Bauteile aus dem Sammlungsbestand wie profilierte Säulen von Holzhäusern aus Mezihoří und Teile einer Böttcherwerkstatt aus Sestrouň.

Die Ausstellung im Speicher aus Počepice befasst sich mit der Verarbeitung und Aufbewahrung von Getreide und Mehl. Im Bienenhaus aus Sedlčany befindet sich eine kleine Ausstellung zur Imkerei, hier fanden auch 12 restaurierte Bienenstöcke aus Rovina ihre Aufstellung.

 

Das Bergbaumuseum veranstaltet jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Vysoký Chlumec verschiedene Sonderveranstaltungen, z. B. Fasching, Tag des Handwerks (hier werden alte Handwerkstechniken vorgeführt: Schnitzen, Weben, Schmieden, Zimmerhandwerk, Seilerei, Buttern, Korbflechten u. v. a. m), Folkloretag (mit Auftritt von Folkloregruppen mit historischen Instrumenten) oder die jährlicheVorstellung des neuen Sammelbandes „Podbrdsko“. Nachzulesen unter Neuigkeiten.

 

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